Duellieren nach Plan: Fechtschule beginnt Proben für das Barockjahr - Theaterfechten ist "hohe Kunst"
18.01.2012
PNP - Theresa Eisele

In Kniebundhosen, ausladenden Röcken, weißen Strümpfen und silbernen Perücken fordern sie sich zum Duell, kämpfen um die Ehre oder um ein Mädchen, es spritzt Blut. Das große Barockspektakel liegt noch in weiter Ferne, doch schon jetzt proben 12 Männer und Frauen von der Rokoko Fechtschule das szenische Fechten in barockem Gewand. Das Blut ist kein echtes, sondern Theaterblut, sorgt aber trotzdem für den entsprechenden Effekt. Auch der Besiegte ist nicht wirklich verwundet, er schauspielert aber perfekt, lässt zum richtigen Zeitpunkt das Theaterblut spritzen und gibt sich verwundet − er hat das Duell verloren. Für die Zuschauer kommt das überraschend, die Fechtkünstler wissen aber schon seit Monaten, wer das Duell verlieren wird.

"Das Theaterfechten hat immer eine festgelegte Abfolge", erklärt Siegfried Raczka, Abteilungsleiter der Fechtabteilung des TV Passau, "für vier Minuten proben wir deswegen monatelang". Wer Theaterfechten möchte, muss zuerst die klassischen Fechttechniken erlernen, er darf seinen Gegenüber nicht verletzen, die Hiebe sollten aber trotzdem echt aussehen und die Handlung darf auch nicht vergessen werden: "Theaterfechten ist eine hohe Kunst", sagt Raczka. Seine Rokoko-Fechtschule studiert deswegen schon jetzt zwei Szenen mit verschiedenen Duellen zwischen mehreren Personen ein. Den Passauer Zuschauern soll im Sommer ein Maskenball in Venedig zur Zeit Casanovas (um 1740) und eine Zwangsheirat zur Zeit des Fürstbistums Arlberg (um 1780) vorgeführt werden.

Siegfried Raczka ist Mitglied an der Akademie der Fechtkunst Deutschlands und hat sich dort sein Wissen über das barocke Fechten erarbeitet. Den Passauern soll eine historisch genaue Aufführung geboten werden. Die aufwendigen Kostüme wurden von einer Modedesignerin aus Münster nach historischen Vorbildern angefertigt. "Wir halten uns im Wesentlichen an die barocken Regeln", so Raczka. Auch wenn die Frauen der Abteilung Hiebfechten dürfen, im Barock war ihnen das verboten.

 Die Fechtabteilung hat zum Barockjahr Folgendes geplant:

Am 12. Juni findet ein Kostümvortrag statt. Dort werden auch Hintergründe und Abläufe des Duells sowie Fechttechniken erklärt.

Der Schnupperkurs "Fechten im Barock" findet am 23. und 29. Juni sowie am 6. Juli statt.

Am 31. August und 1. September schlagen die Barockfechter ihre Zelte auf dem Domplatz auf. Dort werden Fechtvorführungen, Theater- und Schaukämpfe sowie eine Waffenschau geboten. 

 
 
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